Work-Life-Balance in Corona-Zeiten

Seit etwas über einem Jahr beein­flusst das Corona-Virus unsere Lebens- und Arbeitswelt. Wie massiv diese Auswirkungen sind, hätten wir uns vor dieser Zeit nicht vorstel­len können. Eines zeigt sich auch deutlich: Das Corona-Virus hat zu einer unglaub­li­chen Beschleunigung in der Transformation der Arbeitswelt geführt. Damit ist nicht nur die Beschleunigung durch die Digitalisierung gemeint, sondern auch die Verdichtung der Anforderungen an die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben.

Wir befas­sen uns daher in diesem Blog-Artikel mit der Frage, ob es nach einem Jahr schon erste – vielleicht sogar wissen­schaft­lich fundierte – Aussagen gibt, welche Lösungen Unternehmen und Betroffene gefun­den haben und wie sich diese in der Praxis als wirkungs­voll bewährt haben. Ziel ist es doch, in einer weniger einge­schränk­ten Zeit nach der Pandemie auf positive Erfahrungen zurück­grei­fen zu können, ohne das Erreichte über Bord werfen zu müssen. Daher werden wir uns mit ausge­wähl­ten Studienergebnissen zu diesem Thema befas­sen. Und wir werfen auch einen Blick auf die Frage, ob Unternehmen, die sich schon lange in ihrer Personalpolitik strate­gisch mit der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben befas­sen, nicht inzwi­schen Wettbewerbsvorteile gegen­über ihren Mitbewerbern vor allem in Bezug auf Loyalität, Bindung und Empfehlungsmarketing ihrer Beschäftigten verschafft haben.

Die Kernfragen der Studien (Arbeiten in Corona-Zeiten von AVANTGARDE Experts (avantgarde-experts.de) und der beruf­und­fa­mi­lie Service GmbH) befas­sen sich primär mit: Wie sehr hat sich das Leben der Arbeitnehmer*innen durch Corona verän­dert? Wie wirken sich die Pandemie und die damit verbun­de­nen staat­li­chen und betrieb­li­chen Maßnahmen beruf­lich aus, wie privat? Was sind die größten Herausforderungen während dieser Zeit? Und wie schät­zen die Arbeitnehmer*innen die Zeit nach dem Ende der Pandemie ein?

Wir greifen bei der Beantwortung dieser Fragen vor allem auf zwei Studien zurück, zum Einen auf die Studie vom Mai/2020 Arbeiten in Corona-Zeiten von AVANTGARDE Experts und zum Anderen auf die spätes­ten Studienergebnisse der beruf­und­fa­mi­lie Service GmbH unter dem Titel Worklife-Balance in Corona-Zeiten von 12/2020.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Homeoffice-Alltag

Sie finden hier eine Zusammenfassung der wichtigs­ten Ergebnisse. Einige sind zu erwar­ten, andere erstaunen.

  1. Viele Befragte geben in der Studie von AVANTGARDE Experts an, dass diese dank wegfal­len­der Arbeitswege stress­freier in den Tag starten.
  2. Jede/r zweite Befragte arbei­tet im Homeoffice konzen­trier­ter und entspann­ter. Das Gegenteil stimmt dann auch: Jede/r zweite Befragte eben nicht.
  3. Familien gelingt tenden­zi­ell ein gekonn­te­rer Umgang mit der Gesamtsituation, obwohl die Zeiteinteilung sich schwie­ri­ger gestal­tet. Vor allem Frauen leiden unter der Mehrfachbelastung, die sich aus den unter­schied­li­chen Anforderungen im Familien- und Berufsalltag ergeben.
  4. Dem Mehrheit der Befragten, vor allem vielen Paaren und Befragten ab 40 Jahren (61 %), fehlt das soziale Miteinander, dass Ihnen aus den realen Zusammenkünften im Büro vertraut ist. Und das, obgleich die Mehrheit der Befragten die virtu­elle Zusammenarbeit als gut empfin­det. Demzufolge werden sich hier zukünf­tig hybride Modelle von virtu­el­ler und realer Präsenz etablieren.
  5. Überzeugt von virtu­el­len Meetings sowie einer Prozessbeschleunigung im Homeoffice sind weitest­ge­hend jedoch Akademiker, die sich mehr und mehr den digita­len Möglichkeiten als Kommunikations- wie auch bei Fortbildungsmaßnahmen widmen.

6. Bei einer Mehrzahl der Befragten (59 %) verschafft das Homeoffice mehr Zeit für sich persön­lich. Das Mehr an Zeit nutzen Arbeitnehmer*innen vor allem für Hobbies und Familie. Hingegen ist nur bei knapp der Hälfte der Befragten ein Interesse an beruf­li­chen Weiterbildungen mittels Online-Formaten vorhanden.

Am meisten fällt auf der Negativseite das Fehlen von sozia­lem Ausgleich ins Gewicht, wozu vor allem auch die Zeit mit Kolleg*innen im Büro zählt. Dazu passt, dass ein Drittel der Befragten den Erhalt von Arbeitsmoral und Motivation als große Herausforderung für Unternehmen während und nach der Pandemie nennt. Ein nicht zu vernach­läs­si­gen­der Anteil befürch­tet aber auch den Wegfall von Arbeitsplätzen.

Erfahrungsvorsprung mit Home-Office von Beschäftigten vor allem bei auditier­ten Arbeitgebern

Wenden wir uns nun der Fragestellung zu, ob Unternehmen, die sich schon vor der Corona-Pandemie mit strate­gisch mit der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben befasst haben, besser durch die Krise gekom­men sind. Dazu ziehen wir die Studienergebnisse von “New Work und Home-Office“ des Marktforschungsunternehmens respondi im Auftrag von voiio heran. Dieses befragte 800 Eltern mit Kindern zwischen 0 und 15 Jahren, die im Zuge der Coronakrise im Homeoffice gearbei­tet haben. 18,5 % der Teilnehmenden (148) waren bei Arbeitgebern tätig, die das von der beruf­und­fa­mi­lie Service GmbH angebo­tene audit beruf­und­fa­mi­lie erfolg­reich durch­lau­fen hatten. Der Befragungszeitraum lag Mitte Juni 2020. Die Befragten lagen alle zum Zeitpunkt der Befragung im Alter zwischen 18 und 59 Jahre.

Die zentra­len Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: 

  1. Für 64 % der bei zerti­fi­zier­ten Arbeitgebern tätigen Eltern hat die Home-Office-Option die Arbeitgeberattraktivität bereits vor Corona stark positiv beein­flusst. Hingegen bejah­ten dies nur 38 % der bei nicht-auditier­ten Unternehmen arbei­ten­den Eltern. Ein mögli­cher Grund für den durch­aus signi­fi­kan­ten Unterschied ist in den etablier­ten Strukturen einer familien- und lebens­pha­sen bewuss­ten Personalpolitik bei zerti­fi­zier­ten Arbeitgebern zu finden, die auch die syste­ma­ti­sche Gestaltung des Homeoffice und mobilen Arbeitens vorsieht. Hinzu kommt, dass Home-Office hier auch häufi­ger erprobt ist. Denn bereits vor der Pandemie hatten mehr der bei auditier­ten Arbeitgebern beschäf­tig­ten Eltern Erfahrung mit Homeoffice. 58,1 % der Befragten hatten diese Option bereits genutzt.
  2. Demgegenüber hatten weit weniger als die Hälfte (42,3 %) der Eltern, die bei Arbeitgebern ohne audit-Begutachtung tätig sind, von zu Hause aus gearbeitet.
  3. Und auch hinsicht­lich des zeitli­chen Anteils zeigt sich ein Unterschied: Während vor Corona in zerti­fi­zier­ten Organisationen Beschäftigte 40,5 % ihrer Arbeitszeit im Home-Office verbrach­ten, waren es bei Arbeitgebern ohne Zertifikat 34,5 %.
  4. Auch positive Erfahrung fallen auf, die dazu beitru­gen, dass 86,5 % der Mütter und Väter, die bei Arbeitgebern mit dem audit-Siegel arbei­ten, das Home-Office-Modell bereits vor Corona für famili­en­kom­pa­ti­bel hielten. Bei Organisationen ohne Audit beruf­und­fa­mi­lie fanden dies ledig­lich 79,9 %.
  5. Corona störte das familiäre Miteinander demnach bei zerti­fi­zier­ten Arbeitgebern weniger: 36,9 % der bei ihnen beschäf­tig­ten Eltern meinen, dass das familiäre Miteinander während Corona besser gewor­den sei. Dem können nur 25,5 % der bei nicht-auditier­ten Organisationen tätigen Eltern zustim­men. Ganz im Gegenteil: Mehr als jede*r Vierte (26,8 %) gibt an, dass das Familienleben darun­ter leiden musste (im Vergleich zu 20,4 % bei zerti­fi­zier­ten Arbeitgebern). Eine Erkenntnis, die gerade im Blick auf die Lebensqualität der Betroffenen eine zentrale Bedeutung hat.

Die nachfol­gende Auswertung zeigt den prozen­tua­len Anstieg im familiä­ren Miteinander während der Corona-Zeit:

Zertifikatsträger bau(t)en ihre Arbeitgeberattraktivität während der Corona-Pandemie nochmals deutlich aus

Während der Corona-Pandemie hat die Chance auf Homeoffice die Arbeitgeberattraktivität der Zertifikatsträger sogar laut 52,7 % der dort beschäf­tig­ten Eltern stark positiv beein­flusst. Bei nicht-zerti­fi­zier­ten Arbeitgebern sagten dies ganze 20 % weniger (32,7 %). Damit ist der Fokus auf die Arbeitgeberattraktivität während der Corona-Pandemie bei Müttern und Vätern, die bei zerti­fi­zier­ten Organisationen tätig sind, nochmals deutlich gestie­gen. Dies ist ein nicht zu unter­schät­zen­der Faktor beim Empfehlungsmarketing. Langfristig zahlt sich dies gerade bei der Steigerung der Arbeitgeberattraktivität massiv aus.

Fazit

Überraschenderweise sehen trotz einiger negati­ver Einflüsse laut aufge­zeig­ten Studienergebnissen viele Befragte den nächs­ten sechs Monaten optimis­tisch entge­gen. Laut Studie der AVANTGARDE Experts ist mehr als jeder zweite Arbeitnehmer sowie Arbeitnehmerin froh, dass er / sie nach der Corona-Krise wieder wie gewohnt den Tätigkeiten im Büro nachge­hen kann. 44 % der Befragten sind der Meinung, dass ein flexi­bler Wechsel zwischen Büro und Homeoffice nach Corona bestehen bleibt. 41 % stellen sich vor, dass sie mehr im Homeoffice arbei­ten werden. Außerdem würde unter­neh­mens­sei­tig ein zuneh­men­der Fokus auf die Digitalisierung von Arbeitsprozessen gelegt werden (39 %).

Lassen Sie uns daher festhal­ten:
Unternehmen stehen in den nächs­ten Monaten vor der Herausforderung, die positi­ven Errungenschaften, die sich durch die Corona-Pandemie zwangs­läu­fig ergeben haben, in einen Zustand der Normalität zu überfüh­ren. Ein bloßes Zurück in eine Zeit vor der Corona-Pandemie dürfte sich aufgrund der gemach­ten Erfahrungen verbie­ten, wenn es nicht zu einer Demotivation und zu (inneren) Kündigungen kommen soll. Es wird inter­es­sant sein, wie sich hybride Modelle, also zum Unternehmen passende Rahmenbedingungen für mobiles Arbeiten, Arbeiten im Homeoffice und Arbeiten vor Ort im Unternehmen etablie­ren werden. Sie sind vor allem der nächste Baustein einer zuneh­mend Familien- und lebens­pha­sen­ori­en­tier­ten Personalpolitik, die sowohl die Erreichung der Unternehmensziele, aber auch die Lebensqualität der Beschäftigten zum Ziel hat.

Wir werden uns im nächs­ten Blog-Artikel daher mit den Unterschieden zwischen Work-Life-Balance und Work-Life-Blending befas­sen. Seien Sie gespannt. Es lohnt sich!

Falls Sie Interesse daran haben, wie Sie die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben für Ihre Mitarbeitenden, aber auch für Ihr Unternehmen insge­samt umset­zen und damit Ihre Arbeitgeberattraktivität steigern können, schicken Sie mir gerne eine Nachricht an volz-neidlinger@vn‑p.de. Sie errei­chen mich auch telefo­nisch unter 07725 914754.

Ich freue mich auf Sie!

Ihr Martin Volz-Neidlinger

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