Wie Wertschätzung und Authentizität erfolgreiches Führen ermöglichen

Wer für Personal verantwortlich ist, wer ein oder mehrere Teams, wer ein oder mehrere Abteilungen oder ein oder mehrere Unternehmen leitet, weiß viel über Führung. Langjährige Führungsverantwortliche können auf einem Fundus an Erfahrungskompetenz aufbauen, die sie auch schwierigste Herausforderungen bewältigen lassen. Wenn ich mit Ihnen über das Geheimnis Ihrer Erfolge als Führungsverantwortliche spreche, begegnen mir immer wieder dieselben Aussagen, die sich auf sechs zentrale Dimensionen von Führung komprimieren lassen.

Die ersten beiden haben wir beim letzten Mal ausführlich besprochen: Lokomotion und Kohäsion? Sie wissen sicher noch, was darunter zu verstehen ist. Falls nicht, die Lösung finden Sie hier.

Heute sprechen wir über zwei weitere zentrale Dimensionen, die meiner Erfahrung nach unabdingbar notwendig sind, wenn Führungsverantwortliche erfolgreich sein wollen: Authentizität und Wertschätzung. Sie sind die beiden Pole in einem ambivalenten Spannungsfeld, in dem sich Führungskräfte bewegen.

 

Warum sind diese beiden Dimensionen so wichtig? Was verstehen wir darunter? Im vorliegenden zweiten Teil möchte ich die beiden Begriffe Authentizität und Führung näher beleuchten. Dabei geht es zum einen um das Ausfüllen der Rolle und um die Selbstwahrnehmung von Führungskräften und zum anderen um die Art und Weise, wie sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenübertreten. Authentische und wertschätzende Führung ist für mich die Grundvoraussetzung, um überhaupt als Führungsverantwortliche erfolgreich sein zu können. Lokomotion, das Vorangehen, um gemeinsam Ziele zu erreichen und Kohäsion, den Zusammenhalt des Teams fördern, die ich in meinem vorangegangenen Blogartikel besprochen habe, gelingen nur, wenn Führungsverantwortliche authentisch auftreten und wertschätzend handeln.

Authentizität: Der Grundstein für überzeugtes Auftreten

Wir kennen sie, die Statussymbole erfolgreicher Führungskräfte, die für viele immer noch eine große Faszination ausüben: Jobtitel, Firmenhierarchie, Dienstwagen, Büro. Wer denkt nicht zuerst an solche Äußerlichkeiten, wenn der Begriff „Führungskraft“ fällt? Dabei ist jeder und jede von uns ein Individuum mit einer ganz eigenen Geschichte, eigenen Gefühlen und Gedanken. Was heißt dann Authentizität in diesem Zusammenhang?  Dies ist die Fähigkeit, ich selbst sein zu können, und zwar, indem ich „Ja“ sage zu meiner Rolle als Führungskraft, zu meinen Aufgaben, die ich zu erledigen habe und zu meiner Verantwortung, die ich übernommen habe. Authentisch sein heißt: Ich kann zu mir selbst stehen, zu meinen Gefühlen, zu meinen Gedanken, ich spiele nicht etwas vor, das ich nicht bin. Auch Führungskräfte können sich trauen, dies zu zeigen. Das bedeutet aber längst nicht, Berufliches mit Privatem zu verwechseln: Gerade in ihren Führungsaufgaben und ihrer Verantwortung kann eine Führungskraft zeigen, wie sie als Mensch „tickt“ und welche Werte sie vertritt.

Wer anderen etwas vorspielt, also in der Führungsrolle nicht er oder sie selbst „ist“, wird hingegen auf lange Sicht nicht überzeugen. Denn für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es sehr wichtig, das Gefühl zu haben: Ihr „Chef“, Ihre „Vorgesetzte“ meint es ernst mit ihnen und zeigt nur solche Richtungen auf, die er oder sie selbst vertritt und für richtig hält. Gerade hier liegt für Führungsverantwortliche, die neu in ihrer Führungsrolle sind, eine große Chance. Nicht aus einem Idealbild heraus zu handeln, wie eine erfolgreiche Führungskraft sein müsste, sondern Klarheit über das eigene Können zu haben und zugeben zu können, vieles auch noch nicht wissen zu können, überzeugt Menschen. Außerdem wissen wir inzwischen, welch hohen Preis es vor allem gesundheitlich kostet, sich langfristig emotional zu „verstecken“ und menschlich zu „verbiegen“. Auch hier liegt ein Grund für die latente Unzufriedenheit vieler Führungsverantwortlichen bis hin zur inneren Kündigung oder zu einem beruflich bedingten Burnout.

Wertschätzung: Die ganze Person verstehen und ansprechen

Es gibt heute ein weit verbreitetes Missverständnis zwischen Lob und Wertschätzung. Viele Mitarbeitende reagieren inzwischen sehr misstrauisch auf Lob, haben sie doch die Erfahrung gemacht, dass Lob etwas sehr Manipulatives haben kann. „Sie müssen Ihre Leute nur mehr loben, dann arbeiten sie auch mehr“, lernen viele Führungsverantwortliche in Seminaren und Workshops.

Wertschätzung dagegen ist mehr als Lob. Wertschätzung bezieht sich nicht nur auf das Verhalten eines Mitarbeitenden, sondern auf seine ganze Person. Ich schätze seine Geschichte, seine Erfahrungen, seine Kompetenzen wert, auch wenn ich das Verhalten oder die Qualität des Ergebnisses kritisieren muss. Denn auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind weit mehr als nur ihre Rolle oder Funktion im Unternehmen. Sie sind Menschen mit einer eigenen Wahrnehmung, einer eigenen Lebensgeschichte und jeweils eigenen Stärken und Schwächen.

In jeder Situation muss demzufolge gelten: Der Respekt vor dem Menschen, seiner Gesamtpersönlichkeit bleibt erhalten. Gerade wenn es darum geht, kritische Gespräche wegen Misserfolg oder Fehlverhalten zu führen, ist die Wertschätzung eine großartige Voraussetzung, dass diese Gespräche gelingen können. Sie erlaubt es, schwierige Themen anzusprechen, ohne dass dies für die Mitarbeiterin beziehungsweise den Mitarbeiter mit einem Gesichtsverlust verbunden ist. Zudem erhöht eine wertschätzende Grundstimmung die Wahrscheinlichkeit, dass eine Änderung im Verhalten oder auch der Einstellung erfolgt und die Arbeit nach dem Krisengespräch motivierter weitergehen kann.

Die menschlich-emotionale Dimension stützt die fachlich-inhaltliche Ebene der Führung

Sicher: Der Erfolg einer Führungskraft beruht zunächst auf objektiv messbaren Faktoren wie ihrer Erfahrung, ihrer fachlichen Kompetenz und ihrer organisatorischen Entscheidungsvollmacht. Diese müssen unbezweifelbar vorhanden sein. Damit aber bloße Führung zu erfolgreicher Führung wird, braucht es auch die entsprechenden subjektiven Faktoren im menschlich-emotionalen Bereich. Ohne sie bleibt Führung starr, blass, konturlos und wenig motivierend. Tritt eine Führungskraft hingegen authentisch und wertschätzend auf, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, erfolgreich zu führen – sich selbst, das Team, die Abteilung, den Bereich, das Unternehmen.

Deshalb sind die hier beschriebenen beiden Dimensionen sehr wichtig. Aber braucht es dafür nicht ein natürliches Charisma? Ich bin der Überzeugung: Wir alle können Authentizität und Wertschätzung am Arbeitsplatz lernen, denn sie liegen in unserer menschlichen Natur. Um sie zur vollen Entfaltung zu bringen, braucht es zwei Dinge:  einen Reflexionsprozess, in dem die Führungskraft sich selbst und die Beziehungen zu den Teammitgliedern laufend überprüft – und den Mut, die daraus gewonnen Erkenntnisse auch umzusetzen.

 

Falls Sie neugierig geworden sind oder Interesse an einem (Online-)Coaching oder an einer Schulung für angehende Führungskräfte in Ihrem Unternehmen haben, schicken Sie mir hier gerne eine Nachricht. Sie erreichen mich gerne auch telefonisch unter 07725 914754.

Ich freue mich auf Sie!

Ihr Martin Volz-Neidlinger

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