Mitarbeiterbindung und -gewinnung der Generation Z

Sie sind Ihre Söhne und Töchter. Vielleicht arbeiten sie sogar für Sie. Oder aber sie werden in naher Zukunft für Sie oder mit Ihnen gemeinsam arbeiten. Und das ist auch gut so. Die neue Generation Z, die jetzt und in den nächsten Jahren ins Arbeitsalter kommt, bestimmt, wie die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und gar in der Wirtschaft aussehen wird. Umso mehr ein Muss und klarer Vorteil für die Arbeitgeber und Führungskräfte von Heute, diese richtig zu verstehen und einzusetzen.

Die Generation Z ist die erste Generation, die in eine digitale Welt hineingeboren ist. Was dies bedeutet, um sie zu erreichen, zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden – dem wollen wir in diesem Beitrag nachgehen.

Die Generation Z erreichen

Viele Sektoren des Arbeitsmarkts sind derzeit, und auch in den nächsten Jahren, wenn die Babyboomer Generation altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden wird, mit der Frage konfrontiert, wie die freigewordenen Stellen qualitativ und quantitativ besetzt werden können. Dies trifft vor allem die Bereiche Pflege, Bildung, Bauwesen und Finanzen. Sicher: die Stellennachfrage in diesen Sektoren variiert von Ort zu Ort, aber eines bleibt langfristig gleich – es besteht ein echter Bedarf an „Trend­gesteuerten“ und mit der Digitalisierung vertrauten Talenten.

Wenn die Generation Z in die Arbeitswelt eintritt, ist klar, dass diese selbstbewusste Gruppe ganz spezifische Karriereerwartungen hat. Verschiedene Befragungen unter Jugendlichen haben ergeben, dass es sich um eine Generation der Widersprüche handelt; eine Generation, die es gewohnt ist, mit Widersprüchen aufzuwachsen und selbst widersprüchlich auftritt. Einerseits sehnt sie sich nach Arbeitsplatzsicherheit und gleich­zeitig nach einer Umgebung, in der sie innovativ sein und ihre Individualität zum Ausdruck bringen kann. Einerseits ist sie gewohnt, auf Social Media Kanälen aktiv zu sein, andererseits aber sehnt sie sich nach face-to-face-Kommunikation und direkter Beachtung am Arbeitsplatz. Einerseits verlangt sie von einem Arbeitgeber Nachhaltigkeit und Einsatz für die Umwelt, andererseits aber auch Spaß und Sinnhaftigkeit, Familienbewusstsein und vielfältige Kommunikation am Arbeitsplatz.

Eines ist v.a. anders als bei den vorhergehenden Generationen X und Y. Was genau?

Arbeitsmarktforscher weisen darauf hin, dass es sich zum ersten Mal wieder seit den Jahren der 68-er Generation um eine politische Generation handelt. Eine Generation, die sich einbringt und argumentiert, fakten­basiert und in Präsentation und Auftreten geschult. Eine Generation, von der ein großer Teil im Wohlstand aufgewachsen ist – die Folgen der Corona Pandemie sind in den Untersuchungen noch nicht berücksichtigt.

Die Generation Z richtig verstehen

Was ist daher notwendig, um diese Generation auf dem Arbeitsmarkt zu verstehen?

Eines fällt auf: Spielte bei der Generation X die Work-Life-Balance eine große Rolle, hat die Generation Z von der Generation Y gelernt, dass das Work-Life-Blending, also das Einswerden von Arbeit und Leben, auf Dauer nicht funktionieren kann. Daher ist es eine Generation, die sich abgrenzt: Nach dem Motto „Hier die Arbeit, da mein Leben“ – am besten beides mit „Vollgas“, aber strikt voneinander getrennt. Viele Personal- und Führungsverantwortliche sind erstaunt, wenn ihnen schon im Vorstellungsgespräch oder in den ersten Arbeitstagen die Frage und die Forderung nach Arbeitszeiten mit einem klar geregelten Anfang und Ende, nach geregelten Auszeiten und Urlaub begegnet. Die Antwort liegt hierin begründet: „Hier die Arbeit, da mein Leben!“. Dies zeigt sich auch daran, dass bei aller Jugendlichkeit für diese Generation neben der beruflichen Laufbahn das Familienbewusstsein eine gleich wichtige Rolle spielt. Eine Generation der Widersprüche, die es gewohnt ist, in einer widersprüchlichen Welt aufzuwachsen.

Ein weiteres Kennzeichen: Diese Generation ist in der digitalen Welt zuhause – und gleichzeitig darin immer einen Schritt voraus. Als erste Generation, die in diese digitale Welt hineingeboren worden ist, muss sie sich diese für die anderen Generationen „neue Welt“ nicht mühsam aneignen. Sascha Lobo hat darauf hingewiesen, dass die durchdigitalisierte Jugend der Generation Z einem einzigen Medientraining gleicht. Eine durchschnittliche 16-jährige hat bereits Hunderte Stunden in eine Kamera gesprochen und ihre Kommunikation immer wieder mit den öffentlichen Reaktionen abgeglichen.

Und wer schon Hunderte Male eine Instagram-Story veröffentlicht und die Reaktionen gesehen hat, der hat ein Gespür dafür bekommen, was medial funktioniert und was nicht.

Das ist ein Vorsprung, den diese Generation „qua Geburt“ mitbekommen hat. Während ältere Arbeitnehmer*innen aufgrund des digitalen Wandels häufiger in der Mitte des Arbeitslebens umgeschult werden oder neue digitale Kompetenzen erwerben müssen, können diese Jugendliche gleich von vornherein auf Zukunftsbranchen setzen. Dies macht häufig aber die Berufswahl für viele auch sehr schwierig. Die Vielfalt der Auswahlmöglichkeiten, heutige Studierende haben die Auswahl aus ca. 12.000 Bachelor- und ca. 8.000 Master-Studiengängen, verwirrt, macht unsicher und überfordert. Daher sind Ansprechpartner, Freunde, Bekannte, das familäre Umfeld als „Influencer“ so wichtig. Gerade die Eltern fungieren als häufig als erste „Berufsberater“. Ein Babyboomer muss das erst einmal verstehen lernen, hat er doch eine ganz andere Wirklichkeit erlebt, die seine Weltsicht maßgeblich geformt hat.

Welche Herausforderungen erwarten die Führungskräfte bei der Integration von jüngeren Mitarbeitenden im Team?

Generationenmanagement wird zu einer wichtigen Führungskompetenz von Führungsverantwortlichen. Was sollten Sie wissen – und können, wenn Ihre Teammitglieder „immer jünger“ werden?

  1. Wichtig ist, den ständigen Kontakt zu Ihren jungen Mitarbeitenden zu halten. Sie sollten sofort reagieren, wenn diese Feedback einfordern – im Sinne von Unterstützung und Bestätigung. Denn: Wenn sich die jungen Kolleg*innen persönlich angesprochen und verstanden fühlen, sind sie bereit, sich voll im Berufsleben zu engagieren und sich auf ein passendes Angebot einzulassen.
  2. Die neue Generation Z sucht die Beachtung ihrer Vorgesetzten und will, dass diese ihre Bedürfnisse ernst nehmen. Führung definiert sich nochmals neu: Generation Z will Sicherheit und Orientierung – bei einem gleichzeitigen Freiraum zur selbständigen Erledigung der Aufgaben. Dafür beansprucht sie ein zeitnahes, regelmäßiges und konstruktives Feedback.
  3. Bei aller Vertrautheit mit den digitalten Social Media Kanälen: Im Berufsleben bevorzug die Generation Z die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Dies gilt für die Teamarbeit mit den Kolleg*innen und für die Arbeit mit den Vorgesetzten. „Hier die Arbeit – mit face to face-Kontakten – dort mein Privatleben – mit vielen realen und virtuellen Kontakten.“ Ein Widerspruch? Nein, ein Kennzeichen der klaren „Work-Life-Separation“ wie Arbeitsmarkt- und Generationenforscher deutlich machen.

Fazit

Wie sieht er nun aus, der „ideale Arbeitsplatz“, so wie ihn sich die Generation Z wünscht? Erik Albrecht und Klaus Hurrelmann haben das so beschrieben:

Die Generation Z will etwas aus ihrem beruflichen Leben machen.

Der Beruf soll ihr auf den Leib maßgeschneidert sein, soll Spaß machen, sicher sein, den eigenen Fähigkeiten und Neigungen entsprechen und persönlich erfüllen.

Selbstbestimmtheit, Sinnhaftigkeit und Nutzen für die Gemeinschaft sind weit oben in den Rankings, ebenso persönliche Wertschätzung, ein gutes Betriebsklima, flache Hierarchien mit dem Versprechen, mitmischen zu können und dafür regelmäßiges und ausführliches Feedback zu erhalten.

Die jungen Leute wollen wahrgenommen werden.

Eine Frage zum Schluss

Sind Sie bereit für die Generation Z? Langfristig sind Sie abhängiger von ihr als diese von Ihnen.
Daher: Falls Sie Interesse daran haben, wie Sie die Zusammenarbeit der Generationen in Ihrem eigenen Team, in Ihrem Unternehmen gut gestalten oder verbessern können, schicken Sie mir gerne eine Nachricht an volz-neidlinger@vn-p.de. Sie erreichen mich auch telefonisch unter 07725 914754.

Ich freue mich auf Sie!

Ihr Martin Volz-Neidlinger

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