Gesunde Führung: Was sie bedeutet und wie sie wirksam wird

Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben ist kein Schönwetterthema. Bei meinen Projekten begegnet mir immer mehr die Frage, wie sich Fehlzeiten verringern lassen. Automatisch fällt dann der Blick auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Dies ist Anlass und Grund genug, dass wir uns mit dem Megatrend Gesundheit beschäftigen.

Stress, Burnout und Fehlzeiten: Die moderne Arbeitswelt fordert uns heraus, das Seelenleben genauer in den Blick zu nehmen. Um gesund zu bleiben, brauchen wir neue Strategien für eine erfüllende, aber nicht überfordernde Tätigkeit im Alltag. Dem „Stressreport 2016“ der Techniker Krankenkasse zufolge, ist zu viel Arbeit der größte Stressfaktor im Berufsleben, dicht gefolgt von Termindruck und Arbeitshetze. Wohlgemerkt: Dies gilt sowohl für Vollzeit- als auch für Teilzeitbeschäftigte, wobei bei letzteren „nur“ knapp die Hälfte von diesen Problemen berichtet, bei ersteren sogar fast zwei Drittel. 

Die Gefahr der Überlastung, beziehungsweise eines Ausbrennens, ist bei Fach- und Führungskräften, Experten und Selbstständigen besonders hoch. Dies hat unterschiedliche Gründe: Häufig sind Menschen mit diesen Qualifikationsprofilen besonders engagiert, leidenschaftlich und leistungsfähig in ihrem Beruf – außerhalb ihres Berufslebens ist es daher eher schwierig für sie, (subjektive) Erfolgserlebnisse zu erzielen, beispielsweise im Sportverein. Sie haben einen hohen Anspruch an die Qualität ihrer Arbeit, und wollen die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit stets erweitern. Und nicht zuletzt hegen sie hohe Erwartungen, und werden hierdurch besonders leicht enttäuscht. 

Deshalb ist es heute sehr wichtig, Personen in führenden oder auch beratenden Rollen Werkzeuge für die gesunde Führung zur Verfügung zu stellen. Gesunde Führung schließt sowohl die Selbstführung als auch die Führung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Betrieb ein. Im Folgenden finden Sie Vorschläge, wie sich gesunde Führung in beiden Aspekten besser umsetzen lässt.

 

Sonnenblume

Gesunde Selbstführung für mehr Leistungsfähigkeit und positivere Ausstrahlung 

Beginnen wir mit der gesunden Selbstführung. Die gesunde Selbstführung ist nicht nur eine Methode, um mehr Leistungsfähigkeit zu erhalten: Wer nämlich andere führt oder auch berät, lebt immer zugleich etwas vor. Setzt sich eine Abteilungsleiterin beispielsweise vor ihren Mitarbeitern für einen besseren Umgang mit Stress ein, steht aber selbst offensichtlich kurz vor einem Burnout, fehlt die Glaubwürdigkeit. Wer als Führungskraft die eigene Leistungsfähigkeit richtig einschätzt und weiterentwickelt, mentale Resilienz in schwierigen Situationen beweist, Urlaubs- und Ruhezeiten einhält, strahlt damit eine gesunde Haltung auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. 

Sich selbst gesund führen, bedeutet zunächst, belastende Stressoren auf der einen Seite und unterstützende Ressourcen auf der anderen Seite zu identifizieren. Idealerweise sollten bei einer Verstärkung der Stressoren in der Alltagssituation neue Ressourcen hinzugezogen oder bereits vorhandene mobilisiert werden. Stressoren fallen typischerweise in die folgenden fünf Kategorien: 

1. Äußere Stressoren wie Hitze, Lärm, oder auch Staus und überfüllte Pendlerzüge. 

2. Bedürfnisgetriebene Stressoren umfassen häufig Themen wie Schlafmangel oder Krankheit. 

3. Soziale Stressoren wie familiäre Konflikte oder Einsamkeit. 

4. Leistungsbedingte Stressoren wie Zeitdruck, Überforderung. 

5. Psychische Stressoren wie der Hang zur Perfektion oder verborgene innere Konflikte und Ängste.

Ein sehr hilfreiches Mittel, um die Stressoren zu identifizieren und Gegenstrategien aufzubauen, ist der Selbstbeobachtungsbogen nach Anne Katrin Matyssek („Gesund führen – sich und andere“, 2012). In diesem Raster lassen sich die einzelnen Stressoren eintragen und ihre Auswirkungen auf Körper, Gedanken, Gefühle und Verhalten nachverfolgen. Führt beispielsweise das tägliche Pendeln zu ständigen Frust- und Negativ-Gedanken während der Fahrt, ließe sich diesen mit Meditationsübungen entgegnen. Damit tritt eine neue Ressource dem Stressor entgegen und neutralisiert dessen negative Auswirkung.

Führungskräfte sollten die Belegschaft bei der Stressreduktion unterstützen

Wer sich selbst gesund führen kann, profitiert nicht nur persönlich, sondern dient auch seinen Mitarbeitenden als Vorbild. Wie kann Ihr Beitrag zu einer stressfreieren und gesunden Zusammenarbeit aussehen? Dazu sollten Sie zusätzlich weitere arbeitsrechtliche und personalwirtschaftliche Instrumente einsetzen, um unterstützende Ressourcen für die Belegschaft zu etablieren. 

Ein alternativer Weg sind andere Beschäftigungsmodelle, als wir sie bisher meist gewohnt waren. Teilzeitmöglichkeiten in Kombination mit flexiblen Arbeitszeitmodellen helfen nicht nur bei der Bewältigung von Stress oder belastenden Lebensphasen einzelner Beschäftigter, sondern lassen sich auch als Anreiz zur Gewinnung von qualifizierten Fach- und Führungskräften nutzbar machen. Vollzeitnahe Teilzeitmodelle, welche die Arbeitslast in einer Spanne zwischen fünf und 20 Prozent zeitweise reduzieren, sind ebenfalls attraktive und zielführende Angebote.

Ein relativ neues Instrument, das zur Gesunderhaltung der Mitarbeitenden beiträgt, ist der sog. „Anerkennende Erfahrungsaustausch“. Anhand von strukturierten Fragen besprechen Vorgesetzte und Mitarbeitende in einem persönlichen Gespräch unter vier Augen folgende Fragenkomplexe:

  1. Was gefällt Ihnen bei der Arbeit? 
  2. Was belastet und stört Sie?
  3. Was brauchen Sie, um die verbleibende Zeit bis zur Rente voll arbeitsfähig sein zu können?

Am Ende steht eine Zielvereinbarung, auf die sich alle Beteiligten verbindlich berufen können. Dieser „Anerkennende Erfahrungsaustausch“ verbessert die Kommunikation innerhalb des Betriebs und setzt ein starkes Signal dafür, dass „gesunde Führung“ zur Chefsache geworden ist.

 

Falls Sie Interesse an diesem Thema haben oder sich bereits konkret fragen, wie Sie gesunde Führung zielorientiert bei sich selbst und in Ihrem Unternehmen umsetzen können, schicken Sie mir gerne eine Nachricht an volz-neidlinger@vn-p.de. Sie erreichen mich gerne auch telefonisch unter 07725 914754.

 

Ich freue mich auf Sie!

Ihr Martin Volz-Neidlinger

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