Frauen in Führung – In Corona-Zeiten

Nicht lange nachdem die Nachricht von Covid-19 um die Welt gegan­gen war, wurde klar, dass es sich um eine Gesundheitskrise pande­mi­schen Ausmaßes handeln würde. Es wurde aber auch schon früh deutlich, dass die Risiken weitaus größer sind als es die Gesundheitsmaßnahmen noch immer zulassen.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Während Männer zahlen­mä­ßig häufi­ger an dem Virus schwer erkrank­ten oder diese nicht überleb­ten, haben Frauen hinge­gen die sozia­len und wirtschaft­li­chen Auswirkungen der Pandemie unver­hält­nis­mä­ßig stark, und zwar von Anfang an zu spüren bekommen.

Abgesehen davon, dass im Privatleben Fälle häusli­cher Gewalt, vor allem für Frauen zunah­men, wie es in Krisenzeiten oft der Fall ist, gingen fast täglich Arbeitsplätze verlo­ren, vor allem auch in den Sektoren, in denen Frauen dominier­ten. In anderen Berufsgruppen dagegen, die ebenfalls von Frauen dominiert sind – etwa bei den Krankenschwestern, Pflegerinnen, Ärztinnen, Verkäuferinnen – sind sie bis heute verstärkt direk­ter Gefahr ausge­setzt. Frauen wurden zu tragen­den Säulen der Familienökonomie und eine der Hauptaufgaben besteht bis heute darin, die Kluft zwischen Arbeit, Führung und Familienmitglied – nicht nur als Mutter – auszu­glei­chen. Und da Schulen geschlos­sen wurden, trugen die Eltern – vor allem aber wiederum die Frauen – die Hauptverantwortung beim Home Schooling und die Hauptaufgabe, beruf­li­che, familiäre und schuli­sche Anforderungen unter einen Hut zu bekom­men – oder in ihrem Job kürzer zu treten oder ihn aufzugeben.

Ein Blick auf Rollenbilder zeigt: Starke Frauen in Führungspositionen mussten sich fast über Nacht in eine schein­bar nie ermüdende, immer agierende, hilfs­be­reite und unter­stüt­zende Person verwan­deln. In eine Person, die ihre Fähigkeiten als „Multitasking Profi“ zugleich für ihre Familie und ihr Team meister­lich einset­zen kann – ohne Lamentieren, ohne Wenn und Aber, ohne beson­dere Achtung und Wertschätzung.

Ein vielfäl­ti­ges Repertoire an Führungsstrategien – Voraussetzung zur Bewältigung der Herausforderungen der Corona-Krise

Wenn Menschen heute an Führung denken, denken sie immer noch zuerst an Männer, Punkt. In einer kürzlich durch­ge­führ­ten Studie wurden sowohl Männer als auch Frauen gebeten, eine Führungspersönlichkeit zu finden, die sie bewun­dern. Das Resultat: 80% der Befragten wählten einen Mann aus. Es existie­ren zahlrei­che Studien darüber, welche Bilder Männer wie Frauen mit weibli­chen Führungskräften assozi­ie­ren. „Mutter Theresa“ ist ein Bild, das häufig genannt wird.

In der Realität zeigt sich, dass Frauen in Führungspositionen aber auch neben aller emotio­na­len Intelligenz andere Seiten zeigen können – und müssen. Notwendige harte Entscheidungen zu treffen, ist nicht nur – wie es tradi­tio­nelle Bilder vermit­teln – Männern vorbe­hal­ten. Und vielleicht hat sogar die Tatsache, dass viele über ein vielfäl­ti­ges Repertoire an Führungsstrategien verfü­gen, einen wesent­li­chen Einfluss auf die Bewältigung der gegen­wär­ti­gen Krise.

Handeln und Verhandeln im Namen des „Allgemeinwohls“ als Stärke

Internationale Studien zeigen: Weibliche Führungskräfte werden eher dafür verant­wort­lich gemacht, wenn Entscheidungen unpopu­lär oder unwirk­sam sind. Sie werden häufi­ger befragt und hinter­fragt. Daher wissen sie um die Notwendigkeit eines vielfäl­ti­gen Beraterteams und pflegen eher ein breites Netzwerk, das sie auf dem Weg zum Erfolg unter­stützt. Sie konzen­trie­ren sich stärker als Männer auf die Bildung von Gemeinschaften und Teams.

In einer aktuel­len McKinsey-Studie wurden wesent­li­che Merkmale der Führung heraus­ge­ar­bei­tet und die jeweils stärker ausge­präg­ten Tendenzen von Frauen und Männern unter norma­len Umständen und in Krisenzeiten ermit­telt. Ein Ergebnis: Frauen sind in der Tat “menschen­ori­en­tier­ter” – und verbrin­gen mehr Zeit damit, auch andere Führungskräfte in ihrer Organisation zu entwi­ckeln und zu coachen, um vor allem in Krisenzeiten stand­haft an Seite der Mitarbeitenden zu bleiben.

Ein wesent­li­cher Unterschied ist, wie eine ameri­ka­ni­sche Studie der letzten Jahre gezeigt hat, dass Frauen eher Schwierigkeiten als Männer haben, wenn es darum geht, für sich selbst und über den eigenen Gehalt und die weitere Karriereförderung zu verhan­deln. Aber sie zeich­nen sich genau dort aus, wenn sie im Namen des “Allgemeinwohls” verhan­deln und handeln Ob dies nun damit zusam­men­hängt, dass Frauen von Natur aus stärker gemein­schafts­ori­en­tiert sind oder ob sie in diese Richtung stärker sozia­li­siert worden sind, darüber strei­ten sich die Experten.

Wie dem auch sei, genau diese Freisetzung des kollek­ti­ven Potentials ist die Schlüsselkompetenz in der Führung, die sich bei vielen Frauen in Führungspositionen in ihren Verhaltensmustern widerspiegelt:

  • Sie versu­chen, ein Vorbild zu sein, das ihre Untergebenen inspiriert.
  • Sie inves­tie­ren viel Zeit in das Coaching ihrer Teammitglieder und kümmern sich um ihre persön­li­che Entwicklung.
  • Sie betonen Teamarbeit und authen­ti­sche Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg.

Fazit

Die Corona-Pandemie hat jetzt schon dazu geführt, dass viele Entwicklungen, die vorher noch eher ideolo­gisch disku­tiert worden sind, über Nacht eine unglaub­li­che Beschleunigung erfah­ren haben. Das zeitlich flexi­ble und ortsun­ab­hän­gige Arbeiten unter­wegs oder im Homeoffice ist ein Beispiel dafür. Ob dies auch für die Neuentdeckung oder Wiederentdeckung notwen­di­ger bisher als „weiblich“ titulier­ter Führungskompetenzen gilt, bleibt abzuwar­ten – und zu wünschen. Der Gesellschaft, der Arbeitswelt, den Teams in den Unternehmen. In einer vernetz­ten und abhän­gi­gen Welt lassen sich Ziele nur noch gemein­sam erreichen.

Dass es dafür dann aber auch andere Karrieremodelle und Führungsmodelle, wie Führung in Teilzeit oder geteilte Führung geben muss, das ist eine selbst­ver­ständ­li­che Notwendigkeit. Und trotz der Pandemie ein langer Weg dorthin.

Nachtrag

Für diese inspi­rie­ren­den Gedanken möchte ich ganz herzlich meiner Kollegin danken. Der Beitrag lebt von ihren Überlegungen und Erfahrungen. Danke, liebe Serpil!

Falls Sie Interesse daran haben, wie Sie Ihr persön­li­ches Führungspotential einset­zen und gemein­sam mit Ihrem Team ausbauen können, schicken Sie mir gerne eine Nachricht an volz-neidlinger@vn‑p.de. Sie errei­chen mich auch telefo­nisch unter 07725 914754.

Ich freue mich auf Sie!

Ihr Martin Volz-Neidlinger

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