Zoom-Fatigue – Die Realität der Zoom-Müdigkeit oder Warum Zoom die Menschen so müde macht

Wenn Sie heutzu­tage immer mehr feststel­len, dass Sie am Ende Ihres Arbeitstages erschöpf­ter sind als früher, sind Sie nicht allein. In den letzten Monaten – fast schon im Gleichschritt mit der Pandemie – tauchte die Erwähnung der “Zoom-Müdigkeit” in den sozia­len Medien immer häufi­ger auf. Die Google-Suche nach dem gleichen Ausdruck hat seit Anfang März diesen Jahres stetig zugenom­men. Warum ist das so?

Warum finden wir Videokonferenzen so anstrengend?

Untersuchungen zeigen: Die ‘Zoom-Müdigkeit’ strapa­ziert das Gehirn. Videokonferenzen schie­nen eine elegante Lösung für das Arbeiten von zu Hause zu sein, aber sie belas­ten unsere Psyche auch auf kompli­zierte Weise.

Zum Teil liegt es daran, dass die Videokonferenzen wie Zoom uns zwingen, uns stärker auf die verba­len Gespräche zu konzen­trie­ren, um Informationen „sofort“ aufneh­men zu können, als wir das bei einem psychi­schen Gesprächskontakt benöti­gen. Stellen Sie es sich so vor: Wenn Sie in einem Konferenzraum sitzen, können Sie sich gegebe­nen­falls auf die Gesprächsnachbarn verlas­sen, die Sie bei Bedarf auch einmal fragen können, wenn Sie etwas nicht verstan­den haben. Das heißt, Sie haben stets die Möglichkeit, Ihren Informationsbedarf auch im Nachhinein auszu­glei­chen. Bei einem Videogespräch ist dies jedoch nur möglich, wenn Sie die private Chat-Funktion nutzen oder versu­chen, einen Moment zu finden, um die Stummschaltung aufzu­he­ben und eine/n Kolleg/in bitten, sich eventu­ell zu wiederholen.

Das ist nur ein Beispiel, so dass sich inzwi­schen ein neuer Begriff gebil­det hat: „Zoom-Fatigue“, die Zoom-Müdigkeit, obwohl diese Erschöpfung auch dann zutrifft, wenn Sie ähnli­che Anwendungen wie Google Hangouts, Skype, FaceTime oder eine andere Schnittstelle für Videogespräche verwen­den. Die explo­si­ons­ar­tige Zunahme ihres Einsatzes als Reaktion auf die Pandemie hat ein inoffi­zi­el­les sozia­les Experiment in Gang gesetzt, das im Bevölkerungsmaßstab auf der ganzen Welt zeigt, was schon immer wahr war: Virtuelle Interaktionen können das Gehirn extrem belasten.

“Es gibt eine Menge Forschung, die zeigt, dass wir wirklich damit zu kämpfen haben”, sagt Andrew Franklin, ein Assistenzprofessor für Cyberpsychologie an der Norfolk State University in Virginia.

Die Zoom-Isolation

Was heißt das nun konkret? Menschen kommu­ni­zie­ren auch dann, wenn sie still sind. Während eines persön­li­chen Gesprächs konzen­triert sich das Gehirn zum Teil auf die gespro­che­nen Worte, aber es leitet auch zusätz­li­che Bedeutung aus Dutzenden von nonver­ba­len Hinweisen ab, das heißt von der Körpersprache eines Menschen. Zum Beispiel ob jemand Ihnen zugewandt oder leicht abgewandt ist, ob Ihre Gesprächspartner/in unruhig ist, während Sie sprechen oder schnell einat­met um das Gespräch zu beenden u.v.a. mehr.

Diese überaus für uns wichti­gen, nonver­ba­len Hinweise tragen dazu bei, ein ganzheit­li­ches Bild davon zu zeich­nen, was vermit­telt wird und was als Reaktion vom Zuhörenden erwar­tet wird. Da sich der Mensch als sozia­les Tier entwi­ckelt hat, ist die Wahrnehmung dieser Signale für die meisten von uns ganz natür­lich, erfor­dert wenig bewusste Anstrengung beim Analysieren oder Aufnehmen und kann den Grundstein für die zwischen­mensch­li­chen Beziehungen legen.

Ein typischer Videoanruf beein­träch­tigt jedoch diese tief verwur­zel­ten Fähigkeiten und erfor­dert statt­des­sen eine anhal­tende und inten­sive Aufmerksamkeit auf die Worte. Wenn eine Person nur von den Schultern aufwärts einge­rahmt ist, ist die Möglichkeit, Handgesten oder andere Körpersprachen zu erken­nen, ausge­schlos­sen. Wenn die Videoqualität dabei noch schlecht ist, wird jede Hoffnung zunichte gemacht, aus winzi­gen Gesichtsausdrücken heraus etwas herauszubekommen.

“Für jeman­den, der wirklich von diesen nonver­ba­len Hinweisen abhän­gig ist, kann es eine große Belastung sein, sie nicht zu erken­nen”, sagt Franklin. Längerer Blickkontakt ist inzwi­schen das stärkste, leicht erhält­lichste Signal für das Gesicht in einem Zoom-Gespräch, und es kann sich bedroh­lich oder übermä­ßig intim anfüh­len, wenn es zu lange gehal­ten wird.

Teamkonferenzen vergrö­ßern dieses anstren­gende Problem noch. Die Galerieansicht – auf der alle Teilnehmenden auf einmal zu sehen sind – stellt das zentrale Sehvermögen des Gehirns in Frage und zwingt es dazu, viele Personen auf einmal zu entschlüs­seln. Das überfor­dert uns und unser Gehirn.

Die “Zoom-Müdigkeit” rührt auch daher, wie wir Informationen über Video verar­bei­ten. Bei einem Videoanruf ist die einzige Möglichkeit zu zeigen, dass wir aufmerk­sam sind, wenn wir in die Kamera schauen. Aber wie oft steht man im wirkli­chen Leben in der Nähe von Kolleg/innen und sieht ihnen perma­nent ins Gesicht? Wahrscheinlich sehr selten. Das liegt daran, dass wir uns mit einem “ständi­gen Blick” unwohl oder auch bedroht fühlen und dadurch müde werden.

Persönlich sind wir in der Lage, unsere periphere Sicht zu nutzen, um aus dem Fenster zu schauen oder andere im Raum zu beobach­ten. Bei einer Videokonferenz wie Zoom, befürch­ten wir, weil wir alle in verschie­de­nen Räumen sitzen, dass wenn wir uns wegdre­hen und woanders hinschauen, es so ausse­hen könnte, als würden wir nicht aufpas­sen. Ganz zu schwei­gen davon, dass die meisten von uns auch auf das kleine Fenster schauen, in dem sie selbst zu sehen sind, so dass wir uns jeder Falte, jedes Ausdrucks und jeder mögli­chen Interpretation übermä­ßig bewusst sind. Ohne die visuel­len Pausen, die wir brauchen, um uns neu zu fokus­sie­ren, ermüden unsere Gehirne.

Persönlich sind wir in der Lage, unsere periphere Sicht zu nutzen, um aus dem Fenster zu schauen oder andere im Raum zu beobach­ten. Bei einer Videokonferenz wie Zoom, befürch­ten wir, weil wir alle in verschie­de­nen Räumen sitzen, dass wenn wir uns wegdre­hen und woanders hinschauen, es so ausse­hen könnte, als würden wir nicht aufpas­sen. Ganz zu schwei­gen davon, dass die meisten von uns auch auf das kleine Fenster schauen, in dem sie selbst zu sehen sind, so dass wir uns jeder Falte, jedes Ausdrucks und jeder mögli­chen Interpretation übermä­ßig bewusst sind. Ohne die visuel­len Pausen, die wir brauchen, um uns neu zu fokus­sie­ren, ermüden unsere Gehirne.

Segen oder nicht mit Zoom?

Was heißt das nun für unsere Praxis?

Hier finden Sie einige forschungs­ba­sierte Tipps, die helfen können, Videokonferenzen oder ‑anrufen weniger anstren­gend zu machen:

  1. Vermeiden Sie Multitasking. So weit es geht, sollten Sie sich auch in einem virtu­el­len Teammeeting ausschließ­lich auf den Sprechenden konzen­trie­ren und die anderen Beteiligten auf „Stumm“ schal­ten. Somit werden auch Nebengeräusche vermie­den und das Gehirn kann sich besser fokussieren.
  2. Planen Sie Pausen ein. Bauen Sie und Ihre Gesprächspartner/innen – vor allem bei länge­ren Gesprächen – genügend Pausen ein, um abzuschal­ten und sich wieder für das nächste Gespräch fit zu machen.
  3. Wechseln Sie zu Telefonanrufen oder E‑Mail. Hier helfen Teamvereinbarungen, in denen geregelt ist, welche Informationen per E‑Mail oder auch per Telefon weiter­ge­ge­ben werden.
  4. Vermeiden Sie bei exter­nen Anrufen die Standardeinstellung auf Video. Dies gilt v.a. dann, wenn man sich noch nicht so gut kennt. Manchmal reicht auch einfach nur eine Kommunikation per Ton, wie bei einem klassi­schen Telefonanruf.

Einige dieser Tipps sind anfangs vielleicht schwer zu befol­gen. Aber wir alle „üben“ ja gerade noch. Wir alle müssen erst lernen, uns mit dieser neuen Realität vertraut zu machen.

Fazit

Trotz aller negati­ven Begleiterscheinungen, die keines­wegs zu unter­schät­zen aber durch­aus zu lindern sind, können wir uns auf die positi­ven Eigenschaften dieser neuen und kaum mehr wegzu­den­ken­den Art der Kommunikation konzentrieren.

Denn im Großen und Ganzen haben Videokonferenzen wie Zoom mensch­li­che Beziehungen auf eine Weise ausdeh­nen lassen, die noch vor wenigen Jahren unmög­lich gewesen wäre. Diese neue Art der Kommunikation ermög­licht es uns, Fernbeziehungen aufrecht­zu­er­hal­ten, orts- und zeitfle­xi­bel zu arbei­ten und das Zusammengehörigkeitsgefühl unter­ein­an­der zu fördern.

Falls Sie Interesse an den Erfahrungen zum Einsatz unter­schied­li­cher Tools haben oder sich konkret fragen, was der Einsatz für Ihr Selbstmanagement und Ihre Teamorganisation erfor­dern und welche Regeln auf Unternehmensebene hilfreich sind, dann schicken Sie mir gerne eine Nachricht an volz-neidlinger@vn‑p.de. Sie errei­chen mich auch telefo­nisch unter 07725 914754.

Wir treffen uns – real, per Telefon oder per Zoom.

Ihr Martin Volz-Neidlinger

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