Homeoffice in Corona-Zeiten – Wie kann ich mein Team aus der Ferne erfolgreich führen?

Die Corona Epidemie hat unser Arbeiten nachhaltig verändert. Quasi über Nacht mussten Mitarbeitende, die bisher vor Ort in ihrem Büro gearbeitet hatten, ihren gesamten „Workflow“ ins Homeoffice tragen. Führungsverantwortliche sind von einem Tag auf den anderen gezwungen, ihren Führungsstil zu ändern und ihn so anzupassen, dass sie ihre Teammitglieder aus der Ferne führen können.

Gleichzeitig müssen sie die Zielvorgaben des Unternehmens nach wie vor erfüllen. Sicherung der Liquidität, des Standorts, der Wirtschaftlichkeit sind Überlebensfragen geworden. Und werden es noch lange bleiben. Wie ist Führung, wie ist Arbeit, wie ist Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben unter diesen so „neuen“ und belastenden Umständen denn auf unbestimmte Dauer (noch) machbar?

Neue Kompetenzen sind gefordert

Für die Beantwortung dieser Fragen sind neue Kompetenzen gefordert – wieder einmal.  In den nächsten Monaten möchte ich mit Ihnen einen Blick auf diese veränderte Arbeitswelt werfen – aus Sicht einer Führungskraft, aus Sicht eines Teams, aus Sicht von Mitarbeitenden. Dabei werden wir folgenden Fragen nachgehen:

  • Wie kann ich als Führungsverantwortliche/r mein Team aus der Ferne erfolgreich führen?
  • Wie können wir als Team zusammenhalten, unsere Aufgaben erfüllen und unsere Ziele erreichen – auch wenn wir uns nicht immer sehen?
  • Wie kann ich mich selbst organisieren, auf dem Highway des Lebens, um im Home Office meine Arbeit erledigen zu können und gleichzeitig auf meine Kinder aufzupassen?

Nehmen wir heute einmal die Veränderungen in den Blick – aus Sicht einer Führungskraft.

Frau Kroneberg ist Leiterin eines Teams in einer renommierten Werbeagentur und agiert an der Spitze von 15 Mitarbeitenden. Trotz der zunehmenden Digitalisierung ihrer Projekte arbeiteten alle Teammitglieder vorwiegend im Büro. Man sah sich, die Wege zueinander waren kurz, wenn Probleme und Fragen auftauchten war der Weg zu Frau Kroneberg kurz.

Genau diese Erfahrungen waren es, die es Frau Kroneberg nahezu unmöglich gemacht hatten, auch nur darüber nachzudenken, ihre Teammitglieder aus ihrem Home Office heraus zu leiten. Ihre Gründe dafür schienen gerechtfertigt zu sein: „Wenn ich meine Leute nicht sehe, dann machen sie was sie wollen. Ich weiß nicht, was und ob sie überhaupt etwas arbeiten. Wir kann ich sie kontrollieren? Wieso sollen wir unseren Arbeitsstil, der bisher so wunderbar funktioniert hat, ändern?“

Der plötzliche Lockdown veränderte schlagartig alles. Quasi über Nacht musste sie völlig umdenken und Neues lernen. Aus alten Denkmustern ausbrechen und sich neue Arbeitstechniken aneignen, um die Herauforderungen bewältigen zu können, das war es, was nun vor ihr gefordert war. Meetings per Video zielgerichtet zu gestalten, ihren Teammitgliedern aus der Ferne virtuell Nähe zu vermitteln, soziale Distanz durch Eingehen auf jede/n einzelne/n zu überwinden: vieles von dem, was sie sich am Anfang gar nicht vorstellen konnte, geht ihr inzwischen ganz selbstverständlich von der Hand. Heute ist sie überrascht, wie leicht die Umstellung gefallen ist. Manches möchte sie nicht mehr missen: den selbstverständlichen Einsatz von Technik, die schnelle Kommunikation untereinander, die flexiblen und selbstbestimmten Arbeitszeiten.

Was Führungskräfte gelernt haben – Tipps für die Umsetzung

So wie Frau Kroneberg geht es vielen Führungsverantwortlichen. Es ist erstaunlich, wie schnell die meisten diese Umstellung geschafft haben und sich der bisher „fremden und neuen“ Situation anpassen konnten. Es ist erstaunlich, wie schnell sich der Workflow geändert hat und es ist erstaunlich, wie qualitativ gut die Ergebnisse geblieben sind. Und es ist bewundernswert, wie gut Unternehmen und Organisationen, denen die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben ihrer Beschäftigten wichtig sind, durch die vergangenen Monate der Krise gekommen sind.

Eine aktuelle Befragung von 130 Unternehmen der berufundfamilie Service GmbH vom Mai 2020 zeigt: neun von zehn Arbeitgebern setzen während der Coronapandemie auf mobiles Arbeiten – ohne fest eingerichteten Arbeitsplatz -, um arbeitsfähig zu bleiben und gleichzeitig ihren Beschäftigten die Vereinbarkeit mit privaten Aufgaben zu ermöglichen. 47,3 % weiteten die Rahmenarbeitszeiten aus. Die Möglichkeit für Home-Office – mit fest eingerichtetem Telearbeitsplatz – wählten 45,7 %. Kein Wunder, dass sieben von zehn zertifizierten Arbeitgebern die Möglichkeiten zur Flexibilisierung der während der Coronapandemie ausgeweiteten und beziehungsweise eingeführten Maßnahmen weiter ausbauen wollen (vgl. https://beruf-und-familie.blogspot.com/2020/06/bfSScoutStarkInUndNachDerKrise.html).

Wenn wir heute Führungsverantwortliche, wie Frau Kroneberg, fragen, was sie gelernt haben, um einerseits ihr Team aus der Ferne zu führen und gleichzeitig für sich selbst sorgen zu können, dann lässt sich das in folgenden drei Erkenntnissen für Sie zusammenfassen:

  1. Stellen Sie Ihre Erreichbarkeit sicher. Stimmen Sie die Zeiten, in denen Sie verbindlich erreichbar sind, mit Ihrem Team ab. – Und kommunizieren Sie deutlich, wann Sie nicht erreichbar sind und wer in diesen Zeiten für festgelegte Notfälle und Rückfragen als Ansprechpartner/in zur Verfügung steht. Gemeinsam geführte Kalender, in denen private Zeiten genauso geachtet werden, sorgen für Transparenz und sind ein wichtiger Schritt, um sich selbst „Frei-Räume“ schaffen zu können.
  2. Verändern Sie Ihren Besprechungsablauf. Lassen Sie zu Beginn eines jeden virtuellen Meetings Zeit für ein persönliches Statement eines jeden einzelnen Teammitglieds. Wie erlebt er/sie diese Situation gerade? Was ist persönlich schwierig, was macht Spaß? Es ist erstaunlich, wie manch bisher nicht sichtbare Stärke eines Teammitglieds zum Teamzusammenhalt und zur Entlastung aller beitragen kann.
  3. Brechen Sie die Vereinzelung auf. Schließen Sie Ihre Teammitglieder zu Peer-Groups zusammen. Gegenseitige Patenschaften unterstützen das voneinander Lernen und den gemeinsamen Austausch. Langfristig entlastet Sie dies in Ihrer Führungsverantwortung und führt Ihr Team auf einen Weg der zunehmenden Selbstverantwortung.

Fazit

Die Erfahrungen aus der Coronapandemie zeigen: über Nacht hat sich unsere Arbeitswelt verändert. Undenkbares ist Realität geworden: Führung kontrolliert nicht mehr nur die Präsenz. Führung verantwortet zukünftig vorrangig das Ergebnis. Führung geschieht nicht mehr nur im persönlichen Gegenüber. Führung geschieht zukünftig immer mehr im virtuellen Raum. Denn Führung unterstützt zukünftig Menschen auf ihrem Weg in die Selbstverantwortung. Damit schafft sie die Voraussetzung, dass Teams virtuell zusammenarbeiten können. Davon handelt unser nächster Blog.

Falls Sie Interesse an diesem Thema haben oder sich bereits konkret fragen, wie Sie virtuell Ihre Teams und Ihre Mitarbeitenden führen können, schicken Sie mir gerne hier eine Nachricht. Sie erreichen mich auch telefonisch unter 07725 914754.

Ich freue mich auf Sie!

Ihr Martin Volz-Neidlinger

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